Universitätsmedizin Göttingen

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Luftbild vom Klinikum (selber fliegen?)

Das Universitätsklinikum Göttingen bildet zusammen mit der Medizinischen Fakultät die Universitätsmedizin Göttingen der Georg-August-Universität. Sie ist ein ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Das heißt, in diesem Krankenhaus sind alle medizinischen Fachrichtungen vertreten. Außerdem werden modernste Techniken, zum Beispiel bei der Computertomographie, benutzt.

Das Universitätsklinikum hat ungefähr 1.400 Betten bei ca. 70 Stationen. Auf diesen Stationen arbeiten rund 1.400 Schwestern und Pfleger. Es gibt ca. 30 Polikliniken.

Die Patienten werden in 2 Bettenhäusern untergebracht. Jedes Bettenhaus verfügt über 9 Stockwerke, in denen die Patienten untergebracht werden.

Am Klinikum ist außerdem der Rettungshubschrauber Christoph 44 stationiert.

alter Klinikumsbau zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee

Früher war das Klinikum zwischen Humboldtallee und Goßlerstraße untergebracht.


Geschichten zum Universitätsklinkum in Artikeln des Tageblatts

Ein Uniklinikum aus einem Guss

Universitätsklinikum im Bau

„Ein mustergültiges Stück Architektur der 60er Jahre“, nennt Prof. Manfred Droese, Vorstandssprecher des Bereiches Humanmedizin, das Universitätsklinikum Göttingen. Seit 25 Jahren ist der Komplex im Nordosten der Stadt in Betrieb. Im November kommt Wissenschaftsminister Thomas Oppermann zum Jubiläumsfestakt. Göttingen (ib). Osgith Kromschröder, ehemalige Bauleiterin, ist die Aufbruchstimmung während der Planungs- und Bauphase auch im Jahr 2002 noch anzumerken. „Es war eine einmalige Idee, eine Universität stadtnah als Großfläche zu entwickeln“, berichtete sie am Mittwoch in einem Pressegespräch. Nach der Entscheidung des Wissenschaftsrates über die Konzeption der Georg-August-Universität, kamen die Planungen für die medizinische Fakultät 1968 in Gang. „Die Zukunft der Medizin in Beton zu fassen“, war laut Kromschröder das Ziel des etwa 1,3 Milliarden Mark teuren Vorhabens. Der gesamte Fachbereich sollte auf einem Gelände seinen Platz finden und sich immer wieder neuen Erfordernissen anpassen. 1969 begann der Bau. Der zentrale Trakt für Untersuchung, Behandlung, Forschung und theoretische Medizin (UBFT) entstand in Elementkonstruktion. Bis heute ist es möglich, durch Versetzen nichttragender Wände, die Zuordnung und Nutzung einzelner Bereiche zu ändern. Die erste Baustufe des Klinikums wurde 1977 eröffnet. Nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts 1986 waren alle Kliniken unter einem Dach vereinigt. Eine Reihe klinischer Institute sollte folgen. Doch dazu kam es bislang nicht. „Seit der Wende 1989 ist nichts Neues entstanden“, berichtete Droese, weil viele Gelder zunächst in den Osten Deutschlands geflossen seien. Inzwischen halte er die Zeit für gekommen, über den weiteren Ausbau zu sprechen. Die Sanierung des Operationsbereiches mit 28 Sälen stehe ebenfalls an. Ein Neubau auf Stelzen über dem Feuerlöschteich des Klinikgeländes wäre ein Ausweg. Zu dem 35 bis 40 Millionen Euro teuren Vorhaben muss der Wissenschaftsrat noch seine Zustimmung erklären.

  • Quelle: Göttinger Tageblatt vom 10. Mai 2002

„Explosionsartige Entwicklung der Medizin in Beton gegossen“

Universitätsklinikum im Bau

7000 Mitarbeiter, Besucher, Patienten: Rund 10000 Menschen gehen täglich im Göttinger Universitäts-Klinikum an der Robert-Koch-Straße ein und aus. Die Stadt in der Stadt feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Von Britta Bielefeld Am Anfang war die Bevölkerung in Göttingen entsetzt. Aber sie gewöhnte sich daran“, sagt Osgith Kromschröder. Die ehemalige Bauleiterin spricht von einer „rasanten Zeit“, wenn sie sich an die Planungen und den Bau des Uni-Klinikums erinnert. Mit dem „Plan 29a“ begann 1962 ein für die Stadt Göttingen einmaliges Bauprojekt: Die Dreiteilung und Bündelung der bislang überall im Stadtgebiet verstreuten Universitätsgebäude in Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin. Die Neubauten sollten im Norden der Stadt entstehen. „Die Idee war einmalig“, sagt Kromschröder. Sie erinnert sich daran, wie der Verwaltungsdirektor der Frankfurter Universität bei einem Besuch am Klinikum nicht ohne Neid zu ihr sagte: „Wissen Sie was Sie besitzen? Ich könnte weinen.“ Rund 1,3 Milliarden Mark wollte die Landesregierung 1966 für „ein Stück Universität“ investieren. „Das Geld hat nicht einmal allein für die Medizin gereicht“, sagt Kromschröder. 1967 beauftragte die Landesregierung die Neue Heimat mit der Betreuung, der Bund beteiligte sich mit 50 Prozent an den Ausbaukosten. Die Planer begannen nun, „die explosionsartige Entwicklung der Medizin in Beton zu gießen“, sagt die ehemalige Bauleiterin. Das Grundsatzkonzept sah vor, Krankenpflege, Untersuchung, Labore, Sekretariate und andere Einrichtungen bandartig unter einem Dach unterzubringen. Dennoch sollte das bauliche Konzept möglichst flexibel sein. So entstanden die Bauten des Uni-Klinikums: Das zentrale Gebäude für Untersuchung, Behandlung, Forschung und Theoretische Medizin (UBFT), zwei Bettenhäuser (am Anfang waren noch drei geplant) und das Versorgungsgebäude. Das Versorgungsgebäude wurde ausgegliedert, weil es dank eines neuen automatischen Warentransportsystems unter anderem möglich wurde, warmes Essen binnen zwölf Minuten in der gesamten Klinik anzuliefern. Das Vorbild für die damals revolutionäre Anlage besichtigte Kromschröder in der niederländischen Amro-Bank. „Wir haben fast eine Milliarde Mark verbaut, es war wie ein Rausch“, erinnert sich Kromschröder an den ersten Bauabschnitt. Wo einst Kleingärten und Felder waren, entstand eine der modernsten Forschungskliniken. Es wurde gleichzeitig gebaut und weiter geplant, riesige Betonteile wurden direkt auf der Baustelle hergestellt. „Wir nannten das Feldfabrik“, so Kromschröder. Wie mit einem überdimensionalen Legokasten habe man gebaut. „Es machte unglaublich Spaß zuzusehen, wie das Gebäude entstand.“ Wegen mangelnder Finanzen wurde 1973 für ein knappes Jahr ein Baustopp verhängt. Dennoch konnte das neue Klinikum in nur sechs Jahren hochgezogen werden. 1976 zogen die ersten Fächer ein. Küche, Werkstätten, Wäscherei und Medizinische Datenverarbeitung bezogen ihre Räume. 1977 waren 13 Kliniken und Institute in der Robert-Koch-Straße untergebracht. Dazu kamen das Zentrallabor, die Tag-und-Nachtaufnahme, Restaurant, Verwaltung und Apotheke. 1978, 1979 und 1980 folgten weitere Abteilungen in das Hauptgebäude. Das flexible Konzept der Bauweise gilt noch heute: „Kommt ein neuer Professor, wird die Wand versetzt“, sagt Prof. Manfred Droese, Klinik-Vorstand für Forschung und Lehre. Allerdings sei die damalige Zielplanung heute nichtig. Es sei Zeit, eine neue Zielplanung unter neuen Bedingungen zu beantragen. „Wir beschäftigen uns damit, die nach wie vor ausgelagerten Institute am Kreuzbergring oder am Windausweg hier heran zu ziehen“, sagt Droese. Nächstes Projekt: Die Sanierung des Zentral-OP. Das Verfahren für einen möglichen Neubau auf Stelzen über dem Ententeich sei eingeleitet. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt Droese. Zwar seien sowohl die künstliche Belüftung als auch das künstliche Licht in zentralen Bereichen des Klinikums ein Nachteil. Dennoch: „Das Klinikum ist etwas besonderes.“

Intensivstation auf vier Rädern

Rollende Intensivstation

Eine rollende Intensivstation: Der in Göttingen stationierte „Intensivtransportwagen Südniedersachsen (ITW)“ ist ab sofort im Dienst. Er ist eines von vier solcher Spezialfahrzeuge im Land.

Organversagen, Blutvergiftung, Herzversagen, Hirnblutung: Wenn ein schwerkranker Patient beispielsweise von einem kleinen Krankenhaus schnell ins Universitätsklinikum verlegt werden muss, kann er künftig auch auf dem Transport intensivmedizinisch versorgt werden. Das neue „ITW“ ist „eine fahrende Intensivstation und an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit“, sagt Markus Roessler, Oberarzt am Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin (Zari) des Klinikums und ärztlicher Leiter des ITW. Die Notärzte des Zari und Rettungsassistenten der Göttinger Berufsfeuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes begleiten die Patienten auf dem Transport. An Bord des Fahrzeugs sind unter anderem ein spezielles Beatmungsgerät, ein Intensivmonitor und eine Trage für bis zu 160 Kilo schwere Patienten.

„Die fortschreitende Spezialisierung in der Medizin macht immer öfter eine Verlegung von Schwerstkranken und intensivpflichtigen Patienten notwendig, um ihnen eine optimale Diagnostik und Therapie zukommen zu lassen“, erklärt Roessler. Für den südniedersächsischen Raum haben sich die Stadt Göttingen und die Landkreise Göttingen, Northeim, Osterode und Holzminden zur Zusammenarbeit bereit erklärt. Anforderungen für den ITW kommen auch aus den Landkreisen Eichsfeld (Thüringen), Werra-Meißner und Kassel (Hessen). „Vor allem dann, wenn Patienten in das Universitätsklinikum Göttingen verlegt werden sollen“, so der Rettungsmediziner.

„Alle Ärzte an Bord des Wagens bringen das Know-how einer Intensivstation eines Klinikums der Maximalversorgung mit. Häufig ist der ITW-Arzt auch der später weiterbehandelnde Intensivmediziner“, erklärt Roessler. Das helfe auch, Informationsverluste so gering wie möglich zu halten und die Weiterbehandlung des Patienten schon im abgebenden Krankenhaus beginnen zu lassen. Der Einsatzradius des ITW soll 80 Kilometer nicht überschreiten. Für Verlegungen über größere Entfernungen sei der Einsatz eines Intensivtransporthubschraubers sinnvoller. Ist es jedoch nötig, dass ein Patient sofort verlegt werden muss, sollte dies wie bisher mit dem Göttinger Rettungshubschrauber Christoph 44 oder mit den an den Krankenhäusern stationierten Notarztfahrzeugen und Rettungswagen geschehen. Damit kann die Anfahrtszeit zur verlegenden Klinik eingespart werden.

Bauvorhaben

In den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten will das Land fast eine Milliarde Euro in den Ausbau des Göttinger Klinikums stecken. Allein 150 Millionen wird der erste Bauabschnitt kosten, der etwa 2015 abgeschlossen werden soll.

Schritt für Schritt werden neue Gebäude mit Patientenzimmern, Operationssälen und anderen Funktionsräumen errichtet und im Gegenzug die Bettenhäuser I und II abgerissen. „Die bestehende Bausubstanz des Universitätsklinikums“, erläuterte Barbara Schulte, kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin, gestern, „stammt aus den 70er Jahren und darf den Anschluss an die künftigen modernen Anforderungen einer Hochleistungsmedizin nicht verlieren.“ Teilweise seien die Betriebskosten wegen der veralteten Bausubstanz dreimal so hoch wie bei anderen Kliniken mit vergleichbarem Leistungsangebot. Einige der bestehenden Gebäude seien „wahre Energieschleudern“, außerdem seien viele Bereiche funktional nur schlecht aufeinander abgestimmt.

Daher, so Schulte weiter, komme es billiger, alte Gebäude abzureißen als bestehende aufwändig zu modernisieren. Das betrifft vor allem die Bettenhäuser I und II: Sie werden ab 2012 nacheinander abgerissen. Zuvor jedoch wird ein neuer Trakt mit zentralem OP-Bereich, Notfallaufnahme, Herzzentrum, einem Großteil der Pflegebereiche und 570 Betten verschiedener Disziplinen errichtet, damit der Klinikumsbetrieb ungestört weiterlaufen kann. Diese erste Baustufe wird etwa 150 Millionen Euro kosten und soll im Jahr 2015 abgeschlossen sein. Erste Bauarbeiten sollen 2012 beginnen.

Für die weiteren Baustufen, so Schulte weiter, gebe es noch keine festen Termine. Das gesamte Bauprojekt ist in Modulbauweise geplant: Alle Planungsstufen bauten aufeinander auf, seien aber unabhängig voneinander geplant. Damit ziehe keine der Baustufen zwingend den nächsten Bauabschnitt nach sich. Klinikums-Sprecher Stefan Weller: „Jeder Abschnitt steht für sich, das Universitätsklinikum bleibt immer leistungsfähig.“

Mit einem Finanzvolumen von etwa 800 Millionen Euro zähle das „riesige Vorhaben“ zu den größten öffentlichen Bauprojekten des Landes, legte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka dar. Die weitgespannten Pläne, ergänzte Wirtschaftsvorstand Schulte, ließen sich nur realisieren, weil das Klinikum in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stabilisiert worden sei.

Zurzeit laufen europaweit die Ausschreibungen für das Mammut-Projekt. Betriebe aus der Region Göttingen könnten bei der Auftragsvergabe nicht bevorzugt behandelt werden, hieß es weiter.

15 000 Patienten pro Jahr: Notaufnahme modernisiert

Mediziner am Monitor: Samuel Sossalla und Sabine Blaschke überwachen die Patienten.

Die Notaufnahme des Universitätsklinikums hat ein neues Gesicht. Ein halbes Jahr dauerte die Modernisierung der 360 Quadratmeter großen Station. Hauptgrund für den Umbau war laut Kliniksprecher Stefan Weller die jährlich wachsende Zahl der Notfall-Patienten. Pro Jahr werden dort etwa 15 000 Notfall-Patienten – das sind 50 bis 70 Patienten pro Tag – behandelt. Darunter Menschen mit Herzinfarkt, Magenblutung, Asthma-Anfall, Lungenembolie, Nierenversagen oder Schlaganfall.

Die Notaufnahme verfügt über elf Behandlungsplätze und einen Schockraum. Einige der Einzelzimmer wurden zu Drei-Bett-Zimmern umgerüstet. „Für Patienten, Ärzte und Pflegekräfte bedeutet das: Sie haben mehr Platz“, so Weller. Eine neue moderne Monitoranlage erleichtert zusätzlich die medizinische Überwachung der Patienten. Sie zeigt alle Vitalfunktionen wie Blutdruckwerte, Herzrhythmus oder Sauerstoffsättigung an und speichert sie über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden.

Patienten mit hochinfektiösen Erkrankungen, wie beispielsweise Meningitis, Schweinegrippe oder multiresistenten Keimen, behandelt das Team der Notaufnahme jetzt in einem eigenen Isolationsraum.

Die Notaufnahme (T/N) ist für das gesamte Spektrum der Notfallversorgung zuständig. Insbesondere werden dort alle internistischen und neurologischen Notfälle versorgt. Chirurgische Notfälle werden auf der benachbarten unfallchirurgischen Notaufnahme behandelt, gynäkologische und pädiatrische Notfälle in den zugehörigen Fachabteilungen. Rund um die Uhr arbeitet dort ein Team von neun Ärzten und 24 Pflegekräften. Die Instandsetzung kostete 900 000 Euro und ist aus den Mitteln des Konjunkturpakets der Bundesregierung finanziert worden.

Landesförderung

Mit Fördermitteln des Landes Niedersachsen in Höhe von 56,7 Millionen Euro kann die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) verschiedene Forschungsprojekte und -einrichtungen verwirklichen. Die Gelder habe der Haushaltsausschuss am Mittwoch freigegeben, teilte der Göttinger CDU-Landtagsabgeordnete Fritz Güntzler mit.

Nach Angaben von Güntzler sind 40,8 Millionen Euro für den Bau des Göttinger Standorts des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und das Theodor-Förster-Zentrum (TFZ) vorgesehen. Beide Einrichtungen sind neurobiologisch ausgerichtet und erforschen den Mechanismus neurodegenerativer Erkrankungen. Für den Ausbau der Informationstechnologie sind weitere 15,8 Millionen Euro bewilligt worden.

Die Landesregierung unterstütze Göttingen als einen der wichtigsten medizinwissenschaftlichen Forschungsstandorte in Niedersachsen, erklärte Güntzler. Der CDU-Politiker erinnerte daran, dass die UMG für den Umbau des Klinikums ebenfalls vom Land Niedersachsen unterstützt werde: 750 Millionen Euro sind für eines der größten Krankenhaus-Bauprojekte der letzten 25 Jahre vorgesehen.

  • Quelle: Angela Brünjes, "Millionen für Medizin", Artikel im Göttinger Tageblatt vom 12. Juli 2012.

Literatur

zur medizinischen Fakultät Volker Zimmermann: „Eine Medicinische Facultät in Flor bringen“. Zur Geschichte der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Universitätsverlag Göttingen, geb., 139 Seiten, 36 Euro.

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