Utz Claassen

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Geboren am 07. Mai 1963 in Hannover, war Utz Claassen Manager von bedeutenden deutschen Unternehmen. Zuletzt war Claassen Vorstandsvorsitzender der EnBW AG.

Utz Claassen und seine Frau

Vita

- Studium in Hannover und Oxford, UK
- Promotion in Hannover
- Präsident des Sportvereins "Hannover 96"
- Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG, Göttingen
- Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württenberg AG (EnBW), Karsruhe

Beziehung zu Göttingen

In Göttingen übernahm Claassen 1997 den Vorstandsvorsitz der Sartorius AG. Diese verließ er im Jahr 2003, um Vorstandsvorsitzender der EnBW AG in Karsruhe zu werden. Nachfolger bei Sartorius wurde am 01. Mai 2003 Joachim Kreuzburg.
Aus seiner Zeit in Göttingen nahm Claassen zwei bekannte Personen mit zu EnBW nach Karlsruhe. Der ehemalige Göttinger Oberstadtdirektor Hans-Hermann Schierwater wechselte mit Claassen von Sartorius in den Vorstand der EnBW - als Kommunikationsdirektor. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann ist Mitglied im Beirat der EnBW.
Claassen galt sowohl bei Sartorius als auch EnBW als harter Sanierer und außergewöhnlich kreativer Vorstand. Diesem Ruf ist er in seinen Jahren bei Sartorius und bei EnBW - jeweils bis kurz vor seinem Weggang - gerecht geworden. Seine volkswirtschaftlichen Vorstellungen zur Verbesserung der nationalen Wirtschaftskraft vertrat Claassen unter anderem in TV-Shows (u.a. Sabine Christiansen) und Nachrichtenmagazinen. Seine Arbeit im Beraterkreis des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder ist weniger bekannt. 2007 verfasste Claassen ein Buch mit dem Titel "Mut zur Wahrheit. Wie wir Deutschland sanieren können", das im Murmann-Verlag Haburg erschien.

Aktuell

Derzeit muss sich Claassen vor dem Landgericht Karlsruhe verantworten, da ihm die Staatsanwaltschaft durch das Verschicken von Weihnachtskarten an sieben Politiker - verbunden mit einer persönlichen Einladung zum Besuch der EnBW-Loge bei Fußball-WM-Spielen 2006 im Karlsruher WM-Stadion - Vorteilsgewährung vorwirft.

Claassens Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden endete auf eigenen Wunsch vor dem regulären Vertragsende im Jahr 2008 zum 1. Oktober 2007. Eine Anschlussbeschäftigung ist noch nicht bekannt.


Niederlage vor dem Landgericht

Der frühere Chef von Sartorius in Göttingen und spätere Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, macht in jüngster Zeit vor allem durch Rechtsstreitigkeiten von sich reden. Jetzt hat er in einer presserechtlichen Auseinandersetzung vor dem Landgericht Göttingen eine Niederlage erlitten.

Der ehemalige Konzernchef hatte eine einstweilige Verfügung gegen das Handelsblatt beantragt. Die Tageszeitung sollte dazu verpflichtet werden, mehrere wertende Angaben zu einem Prüfbericht über dubiose Russlandgeschäfte der EnBW nicht zu wiederholen. Das Gericht wies seinen Antrag zurück.

Das Handelsblatt hatte unter der Überschrift „Die Gedächtnislücken des Utz Claassen“ aus einem internen Revisionsbericht zitiert, der sich mit den Geschäftsbeziehungen zwischen EnBW und einer Firma des russischen Lobbyisten Andrej Bykow befasste. Mit diesen beschäftigt sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Mannheim.

In dem Mitte Juli veröffentlichten Handelsblatt-Artikel heißt es unter anderem, dass sich der Revisionsbericht aus dem Jahr 2004 „wie eine gedruckte Warnsirene“ lese und eine „dringende Anweisung zum Handeln“ gewesen sei. Claassen, der von 2003 bis zu seinem vorzeitigen Ausscheiden im Jahr 2007 an der EnBW-Spitze stand, nahm an diesen Formulierungen Anstoß und klagte deswegen.

Wegen der derzeit laufenden zivilrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen EnBW und Bykow gehe es um einen außerordentlich brisanten Sachverhalt, begründeten seine Anwälte. EnBW versucht in mehreren Schiedsgerichtsverfahren, 120 Millionen Euro von dem russischen Lobbyisten zurückzubekommen. Dieser habe vertragliche Zusagen, etwa die Lieferung und Sicherung von Uran für die Kernreaktoren von EnBW, nicht eingehalten. Bykow argumentiert dagegen, er habe das Geld von EnBW zur „Klimapflege“ bekommen für die Anbahnung von Gaslieferungen aus Russland.

Claassens Anwälte machten vor dem Göttinger Landgericht geltend, dass ihr Mandant „nicht einen Vertrag“ mit Bykow abgeschlossen habe und „frei von jeder Schuld“ sei. Deshalb bestehe großes Interesse daran, „falsche Dinge aus der Welt zu schaffen“. Die Rechtsvertreter des Handelsblattes sahen dagegen keinen Anlass, irgendetwas zurückzunehmen: „Was wir geschrieben haben, ist schlicht richtig.“ Die Göttinger Richter hielten die beanstandeten Äußerungen für presserechtlich zulässig. Es handele es sich um Bewertungen eines Sachverhalts, dem ein wahrer Tatsachenkern zugrunde liege.

Quelle: Artikel von Heidi Niemann im Göttinger Tageblatt vom 21. September 2012.