Wahlkreis 54

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Der Bundestagswahlkreis Göttingen (Wahlkreis 54) ist ein Wahlkreis in Niedersachsen. Er umfasst den Landkreis Göttingen sowie die Städte Bad Lauterberg im Harz, Bad Sachsa und Herzberg am Harz aus dem Landkreis Osterode am Harz. Bei der letzten Bundestagswahl waren 226.392 Einwohner wahlberechtigt.

Letzte Wahl

Die Bundestagswahl 2009 hatte folgendes Ergebnis:

Direktkandidat Partei Erststimmen in % Zweitstimmen in % Bundestagswahl 2002, Zweitstimmen in % Bundestagswahl 2005, Zweitstimmen in %
Thomas Oppermann SPD 36,8 29,6 46,2 42,1
Hartwig Fischer CDU 34,4 28,8 32,5 30,5
Jürgen Trittin Bündnis 90/Die Grünen 13 14,4 10,9 10,7
Lutz Knopek FDP 6,6 13,4
Gerd Nier DIE LINKE. 7,6 8,9
Michael Hahn NPD 1,4 1,3
Bayram Kurnaz Bürger-Zeit 0,2
Norbert Ullrich FDP 6,7 9,0
Sabine Barbara Lösing DIE LINKE. 1,7 5,2
Die Tierschutzpartei 0,7 0,4 0,5
Daniel Hubert NPD 0,5 1,3
PBC 0,1 0,1
GRAUE 0,2 0,4
BüSo 0,0 0,1
MLPD 0,0 0,0
PRO DM 0,1
Kea Reif unabhängig
Daniel Hubert UNABHÄNGIGE
OFFENSIVE D 0,5 0,5
REP 0,2 0,2
DVU 0,0
ödp 0,1
PIRATEN 2,3
RRP 0,4

Frühere Wahlkreissieger

Wahl Name Partei Erststimmen
Bundestagswahl 2009 Thomas Oppermann SPD 36,8 %
Bundestagswahl 2005 Thomas Oppermann SPD 46,8 %
Bundestagswahl 2002 Inge Wettig-Danielmeier SPD 47,4 %
Bundestagswahl 1998 Inge Wettig-Danielmeier SPD 48,2 %
Bundestagswahl 1994 Rita Süssmuth CDU 46,9 %
Bundestagswahl 1990 Rita Süssmuth CDU 48,5 %
Bundestagswahl 1987 Rita Süssmuth CDU 44,9 %
Bundestagswahl 1983 Hans Hugo Klein CDU 46,9 %
Bundestagswahl 1980 Lothar Curdt SPD 47,9 %
Bundestagswahl 1976 Lothar Curdt SPD 46,3 %
Bundestagswahl 1972 Günter Wichert SPD 52,5 %
Bundestagswahl 1969 Günter Wichert SPD 47,8 %
Bundestagswahl 1965 Willy Steinmetz CDU 47,0 %
Bundestagswahl 1961 Günter Frede SPD 43,0 %
Bundestagswahl 1957 Franz Blücher Deutsche Partei 39,5 %
Bundestagswahl 1953 Walter Drechsel FDP 54,3 %
Bundestagswahl 1949 Arno Hennig SPD 31,6 %

Geschichte des Wahlkreises

Der Titel dieses Artikels ist leicht irreführend. Bei der ersten Wahl nach dem Kriege, 1949 nämlich, hatte der Bundestagswahlkreis um den es hier geht noch die Nummer 34 und umfasste die kreisfreie Stadt Göttingen und Münden. Die damals sehr starke FDP stellte Dr. Walter Drechsel auf (1902-1977), der seit 1948 kommunalpolitisch im Gemeinderat Weende sowie im Kreistag tätig war. Die SPD nominierte Arno Henning (1887-1963), der auch den Wahlkreis für seine Partei gewann und in den Bundestag einzog. Drechsel scheiterte an seinem schlechten Listenplatz.

Koalitionskandidat

Drechsel bekam seine Chance bei der Wahl 1953 (der ersten, bei der die Wähler zwei Stimmen zur Verfügung hatten). Die Koalition aus FDP, CDU und DP, die Drechsel im Kreistag leitete, sprach für ihn. Er gewann mit 54,3 Prozent überlegen vor Henning mit 31,4 Prozent das Direktmandat. Dieses Mal scheiterte der SPD-Mann Henning an der Listenplatz-Absicherung - und wurde in Hessen Kultusminister. So musste die SPD 1957 bei der Wahl zum Bundestag mit einem neuen Kandidaten antreten und entschied sich für den auswärtigen Bewerber Dr. Günter Frede. Gegen ihn trat der Gemeinschaftskandidat von CDU und DP und FVP an und siegte mit 39,5 Prozent gegen Frede mit 37,7 Prozent. Doch zogen beide nach Bonn, denn SPD-Mann Frede war auf einem sicheren Landeslistenplatz platziert. 1961 hatten die Sozialdemokraten keine Kandidatenprobleme, sie entschieden sich wieder für Frede. Die CDU allerdings dachte erstmals über einen eigenen Kandidaten nach und verfiel auf einen Auswärtigen, noch dazu bisherigen DP-Bundestagsabgeordneten, Dr. Willy Steinmetz aus Braunschweig. Die FDP wartete nach dem Rückzug Dr. Drechsels aus der aktiven Politik ebenfalls mit einem neuen Kandidaten auf, dem Direktor des Städtischen Museums, Dr. Walter Hellige. Das Direktmandat errang die SPD mit 43 Prozent vor der CDU mit 34,4 Prozent. Erstmals war der Wahlkreis nun mit drei Abgeordneten im Bundestag vertreten, denn CDU-Mann Steinmetz und FDP-Mann Hellige waren über die Landeslisten abgesichert gewesen.

Wahlkreis 49 entsteht

1965 gab es keine personellen Veränderungen. Dafür gab es einen neuen Wahlkreis. Per Bundesgesetz festgelegt umfasste der neue Wahlkreis Göttingen 49 nun auch den Landkreis Duderstadt und die Gemeinde Fürstenhagen aus dem Kreis Northeim – und entsprach fast den Ausmaßen des historischen Reichstags-Wahlkreises 12, der von 1971 bis 1918 bestanden hatte. Dieses Mal gewann die CDU mit Steinmetz das Direktmandat – wieder zogen alle drei örtlichen Kandidaten in den Bundestag. 1969 traten die drei Parteien mit neuen Bewerbern an: Steinmetz hatte sich zurückgezogen. Frede war 1967 gestorben. Hellige zur CDU/CSU übergetreten. Diese meldete in Göttingen erstmals regionale Kandidateninteressen an, mit Alfons Merten aus Duderstadt. Doch Hellige setzte sich durch - dieses Mal nicht für die FDP sondern für die CDU. Harte Konkurrenz gab es auch bei der SPD. Der von den Jungsozialisten vorgeschlagenen Dr. Günter Wichert setzte sich durch. Die FDP nominierte Ulrike von Heynitz, Ratsmitglied in Göttingen – die erste Frau, die sich in diesem Wahlkreis bewarb, Wichert siegte überraschend mit 47,8 Prozent vor Hellige mit 44,2 Prozent. In den 6. Bundestag kam nur Wichert, Helliges Listenplatz reichte nicht . Es reichte erst 1971 nach.

Drei Jünger als 40

Die Auflösung des Bundestages führte zu Neuwahlen im November 1972. Die SPD stellte erneut Wichert auf, die CDU schickte den seit 1969 in Göttingen lehrenden Jura-Professor Dr. Hans-Hugo Klein ins Rennen, für die FDP bewarb sich der Göttinger Ratsherr Torsten Wolfgramm – alle drei jünger als 40 Jahre. Wichert gewann das Mandat direkt und Klein zog über die Landesliste in den Bundestag, nicht aber Wolfgramm, der erst 1974 nachrückte, nachdem MDP Dr. Rötger Groß niedersächsischer Innenminister geworden war. Im gleichen Jahr legte Wichert sein Mandat nieder, er wurde Staatssekretär in Hannovers Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Nach der Kreis- und Gemeindereform 1973 wurde auch der Bundestagswahlkreis 1976 neu abgesteckt. Klein und Wolfgramm wurden von ihren Parteien erneut aufgestellt, doch die SPD suchte einen Nachfolger Dr. Wichert. Lothar Curdt setzte sich parteiintern knapp gegen Prof. Dr. Ingeborg Nahnsen durch und holte den Wahlkreis vor Dr. Klein von der CDU. Beide zogen ebenso wie FDP-Mann Wolfgramm in den 8. Bundestag. Wieder war es ein Triumvirat aus SPD, CDU und FDP, das von Göttingen nach Bonn ging, und dies sollte 1980 und 1983 so bleiben. 1987 wurde Wolfgramm von seiner Partei fast routinemäßig wieder aufgestellt. Bei SPD und CDU hingegen gab es harte Kämpfe. Beide Parteien wollten gerne eine Frau aufstellen. In der CDU standen regionale und Bundesinteressen gegenüber. Renate Ewers aus Duderstadt trat schließlich gegen Familienministerin Prof. Dr. Rita Süssmuth an, die das Rennen mit 21 gegen 10 Stimmen klar für sich entschied.

Zwei Frauen treten an

In der SPD traten Ingvild Bruchhäuser, Dr. Ute Carnaris und Gerd Nier gegeneinander an. Nier wurde Kandidat. Für die Grünen kandidierte Dr. Astrid Osterland. Süssmuth gewann den Wahlkreis direkt und zog zusammen mit Wolfgramm in den Bundestag, Niers Listenplatz war nicht ausreichend gewesen. 1990 kandidierte die bisherige Landtagsabgeordnete Inge Wettig-Danielmeier für die SPD, Süssmuth und Wolfgramm traten erneut an, und Süssmuth holte den Wahlkreis. Alle drei zogen nach Bonn. Zur Wahl 1994 gingen Rita Süssmuth und Inge Wettig-Danielmeier ins Rennen – beide über Listen abgesichert. Torsten Wolfgramm kandidierte nicht mehr.

  • Quelle: Ilse Stein: "1969 kandidiert hier zum ersten Mal eine Frau: Ulrike von Heynitz", aus: Göttinger Tageblatt, Freitag, 7. Oktober 1994.