Wehrkirche in Sattenhausen

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Wehrkirche in Sattenhausen

Sattenhausen ist vermutlich aufgrund der Ortsnamenreform zwischen dem 8.-9. Jahrhundert gegründet worden. Um das Dorf wurde im Mittelalter, ca. im 12.-14. Jahrhundert, eine Ortsbefestigung errichtet, die aufgrund vergleichbarer Anlagen aus einem Wall (darauf eine ""Knick"-Hecke) mit Graben bestand. Heutige Flur- und Straßennamen erinnern daran: In Sattenhausen "Haintor", "vor dem Tore", "oben vor dem Tore". Herausragendes Baudenkmal ist die Kirche mit Wehranlage im Ortszentrum. Das Ensemble stellt eine gut erhaltenen spätmittelalterliche Kirchhofbefestigung mit Wehrkirchturm dar:

Den Kirchhof umschließt eine einstmals geschlossen umlaufende Ringmauer aus Sandsteinblöcken. Darin ist an der Westseite (zum Tieplatz) eine Schießscharte in Schlüssellochform vorhanden. Der rund 50 m * 50 m große Platz ist heute zum Großteil überbaut.

Um die Kirche lief eine zweite innere Ringmauer, die in einem kleinen Abschnitt an der Südwestseite erhalten ist.

Beide Mauern waren ursprünglich sicher um einiges höher, sie dienten in jüngeren Jahren als Steinbruch für andere Gebäude. Die Anlage war insgesamt umschlossen von einem Graben, der vielleicht wassergefüllt war. ("Kirchgraben)

Die heutige evangelisch-reformierte Kirche besteht erkennbar aus nicht zeitgleichen Bauteilen. Auffällig ist der rund gebaute Turm, der als Teil der Wehranlage gedient hat. Das angrenzende spätgotische Kirchenschiff erfuhr in der Barockzeit eine Ortserweiterung.

Aufgrund eines Inschriftsteines an der Ostseite der Kirchhofsringmauer ist belegt, daß der adlige Grundherr Hans von Uslar (auf Burg Neuegleichen) im Jahre 1432 die Kirchofsbefestigung und den runden Kirchturm bauen ließ. 1451 verkauften die Brüder Ernst und Hans von Uslar (Neuegleichen) das Dorf Sattenhausen an Landgraf Ludwig I. von Hessen. Sattenhausen befand sich damit in so genannter Gemengelage mit welfisch-braunschweigischen Gebieten und Besitzungen, woraus sich wiederholt Streitigkeiten entwickelten. 1461 zogen hessische Truppen gegen welfisch-braunschweigischen Gebiete. Dabei diente Sattenhausen als Militärstützpunkt. Die Befestigungswerke wurden ausgebaut Seit Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die nicht mehr erforderlichen Wehranlagen bis auf die heutigen Reste abgebaut.

Die Kirche erhielt 1695 ihre endgültige Gestalt. An den mittelalterlichen spätgotischen Kernbau, bestehend aus einem kleineren Langhaus mit rundem Kirchturm, wurde ein erweiterter Chorraum angebaut. Barockzeitlich sind die rundbogigen Fenster und der Eingang. Ältere Öffnungen sind noch erkennbar. Der Innenraum des Langhauses ist mit einem hölzernen Flachtonnengewölbe geschlossen.

Kunstgeschichtlich von Bedeutung sind die 1977 bei Restaurierungsarbeiten freigelegten Ornamentmalereien auf den Brüstungsplatten der Empore. Sie stammen aus der Zeit um 1790. Es handelt sich nicht um religiöse Motive, sondern um abwechselnde Darstellungen von Blumenmotiven und Phantasielandschaften. Ausführung und Motive orientieren sich an der chinesischen Malerei.

Karl-Heinz Tjardes, Quelle Denkmalpflege Landkreis Göttingen