Wendebachstau

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Wendebachstausee bei Reinhausen

Der Wendebachstausee ist eine Naherholungseinrichtung des Zweckverbandes "Erholungspark Wendebach" auf dem Gebiet der Gemeinden Gleichen und Friedland. Träger des Verbandes sind der Landkreis Göttingen sowie die Gemeinden Gleichen und Friedland.

Mittelpunkt der Anlage ist ein Stausee von 8,5 Hektar.



Rettungsversuche

Wendebachstausee: Neue Rettungsvariante viel billiger

Skizze vom See
Grillplatz am Wendebachstausee

Der Wendebachstausee lässt sich für nur drei Millionen Euro retten. Das hat ein Ingenieurbüro im Auftrag des Zweckverbandes ermittelt. Dazu schlägt es eine andere Umbautechnik für den Damm vor als das Umweltministerium. Das geht von 5,6 Millionen Euro Kosten aus und will den See aufgeben.

Der Streit schwelt seit Jahren: Weil der Damm undicht ist und nie als Hochwasserbollwerk funktionierte, will das Land Niedersachsen die Anlagen am Wendebachstausee aufgeben. Seine Sorge: Bei extremem Hochwasser könnte der schwache Damm brechen und Niedernjesa sowie die Bundesstraße 27 zerstören. Gegen die Rückbaupläne protestieren der Zweckverband „Erholungsgebiet Wendebachstausee“ und Freunde der Naturanlage (Tageblatt berichtete). Ihre Sorge: Wird der Damm abgetragen und der See verkleinert oder gar trockengelegt, verlieren viele seltene Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Ein Naturparadies würde verschwinden. Erholungssuchende könnten nicht mehr so gut wandern, picknicken oder baden.

Der zuständige Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat bisher drei Varianten in Erwägung gezogen:

  • Der Damm wird bis zur sicheren Höhe abgetragen. Damit vom Wendebach einströmendes Hochwasser nicht durchbricht, wird eine regulierbare Rinne in der Mitte des Dammes gezogen – eine etwa 40 Meter lange Hochwasserentlastungsanlage. Das würde nach Berechnungen des NLWKN etwa 5,6 Millionen Euro kosten.
  • Der Damm wird fast ganz zurückgebaut, und der Wendebach – auch als Flutablauf – in einem neuen Bett um zwei kleinere Restseen herumgeführt. Kosten: 3,4 Millionen Euro.
  • Der Damm wird vollständig zurückgebaut, der See aufgegeben. Kosten: ebenfalls 3,4 Millionen Euro.

Weil der Landesbetrieb bisher keine exakten Angaben vorgelegt hat, hat der Zweckverband auf eigene Rechnung das Ingenieurbüro Rinne und Partner beauftragt, Alternativen zu suchen. Während der Verbandsversammlung mit Vertretern der Gemeinden Friedland und Gleichen sowie des Landkreises Göttingen hat das Büro seine Ergebnisse vorgestellt. Ingenieure rechnen nach Danach hat das NLWKN richtig gerechnet. Allerdings geht es beim Bau einer Hochwasserentlastungsanlage meist von Stahlbeton als Grundmaterial aus. Der gleiche Effekt ließe sich laut Rinne mit einer Konstruktion aus Wasserbausteinen und fließfähigem Beton als Füllung erreichen – dasselbe Prinzip mit anderem Material. Das würde nur 3 Millionen Euro kosten – 2,6 Millionen Euro weniger als die vergleichbare Anlage des Landesbetriebes und weniger als der Totalrückbau. Und es wäre noch eine „Fischtreppe“ mit drin. In allen Fällen müsste Niedernjesa separat vor Hochwasser geschützt werden, ergänzt der Zweckverbandsgeschäftsführer Norbert Schulz.

Der Zweckverband hat seine eigene Lösungsidee jetzt an das Umweltministerium geschickt. Wenn Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) „es ernst meint mit seinen Versprechen, müsste er dieser Lösung näher treten“, bilanziert der Zweckverbandsvorsitzende Manfred Kuhlmann. Unterdessen hat der Gleichener Rat an das Land appelliert, das Hochwasserrückhaltebecken in der jetzigen Form zu erhalten. Sein Tipp: Auch im Oberlauf des Wendebaches gebe es Geländeeinschnitte, an denen sich Hochwasserschutzanlagen bauen ließen. In einem Brief an die Göttingerin Diethild Kosmack weist Sander derweil auf Sicherheitsmängel und den erforderlichen Hochwasserschutz hin. Die derzeitige Prüfung möglicher Umgestaltungsvarianten habe in seinem Hause „höchste Priorität“. Kosmack hatte sich zuvor für den Erhalt der großen Seeanlage eingesetzt.

Wendebachstausee gerettet – Damm bleibt stehen

Badebetrieb am Wendebachstausee Ende August 2008

Der Wendebachstausee ist gerettet. Das Land will den Damm erhalten und langfristig absichern. Niedernjesa soll zusätzlich gegen Hochwasser geschützt werden.

Eine finanziell günstigere und zunächst favorisierte Zwei-Seen-Lösung mit komplettem Rückbau des Dammes sei vom Tisch. Das versicherte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) gestern nach einem Gespräch mit den Göttinger Landtagsabgeordneten sowie Vertretern des Zweckverbandes Wendebachstausee gegenüber dem Tageblatt. Zuvor hatten Sprecher einer Bürgerinitiative aus Gleichen und Friedland dem Minister 4400 Protestunterschriften überreicht. Parallel zur Bürgerinitiative hatte auch das Tageblatt mit einer Couponaktion den Protest unterstützt.

Sander und die beteiligten Politiker machten keinen Hehl daraus, dass diese „endgültige“ Entscheidung eine politische sei. Denn die Planer im Ministerium und im Landesbetrieb für Wasserwirtschaft wollten den Damm komplett abbauen und nur zwei kleine Seen übrig lassen. Das ist aus ihrer Sicht die technisch einfachste und vor allem günstigste Lösung. Hintergrund: Der Damm hat nie als Hochwasserbollwerk funktioniert und könnte bei starkem Regen brechen. Gegen diese Pläne regte sich massiv Protest. Naturschützer wollten das Refugium vieler seltener Tiere und Pflanzen erhalten, viele auch den beliebten Badesee mit Naherholungsanlage.

Nach etlichen Vorgesprächen und schließlich massivem Druck aus dem Raum Göttingen sowie von den Landtagsabgeordneten dieser Region hat Sander gestern ein Machtwort gesprochen: Der Damm wird nur um einige Meter abgetragen und so gestärkt, dass der See erhalten bleibt. Diese Lösung lasse sich aber nur durchhalten, „wenn die Politiker im Landtag voll mitziehen“, betonte Sander. Sie koste etwa 5,57 Millionen Euro, für die kleinere Variante seien im Etatplan nur 3,35 Millionen Euro vorgesehen. „Die Politik muss also gut zwei Millionen nachlegen“, so Sander. Alle Beteiligten hätten aber auch zugesagt, auf dieser Basis mögliche Sparpotenziale zu suchen. Klar sei auch, so der Minister, dass die Stauanlage in der Verantwortung des Landes bleibe. So etwas könne ein kleiner Zweckverband nicht leisten.

„Ich bin sehr erleichtert“, kommentierte der Zweckverbandsvorsitzende und Ortsbürgermeister von Reinhausen, Manfred Kuhlmann (SPD), die Entscheidung. Dieser Erfolg sei besonders den fraktionsübergreifenden Bemühungen der Landespolitiker und den vielen anderen Unterstützern zu verdanken. Um diese Welle aufzunehmen und die Erholungsbereiche auch langfristig weiter zu pflegen, sei ein Förderverein geplant, ergänzte Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Für den großen See eingesetzt hatten sich gestern die Landtagsabgeordneten Lothar Koch und Fritz Güntzler (CDU), Gabriele Andretta und Ronald Schminke (SPD) sowie Stefan Wenzel (Grüne). Patrick Humke-Focks war nicht eingeladen. Der Linke hatte sich aber zuvor mehrfach für den See eingesetzt.

Verpflichtungsermächtigung für 2012

Der Wendebachstausee bleibt als Badesee erhalten. Das hat Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) gegenüber dem Tageblatt erklärt. Nach zahlreichen Gesprächen habe sich die FDP-Landtagsfraktion dafür ausgesprochen, eine Verpflichtungsermächtigung für 2012 in den Haushalt einzustellen. Damit könne, so Sander, bereits 2011 mit den Arbeiten begonnen werden.

Der Minister und Politiker aller Parteien aus der Region hatten sich im Sommer auf die „große Lösung“ für 5,2 Millionen Euro verständigt. Eine Bürgerinitiative und Tageblatt-Leser hatten sich mit Unterschriften dafür eingesetzt. Im Etatentwurf 2011 stehen bislang nur drei Millionen Euro.

Wieder Zitterpartie um Wendebachstausee

Schon wieder stand die Zukunft des Wendebachstausees als Naturparadies und Naherholunggebiet auf der Kippe: Nachdem das Land Niedersachsen eingelenkt hatte und den Staudamm zurückbauen will, ohne den großen See aufzugeben, wollte der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) plötzlich die erforderliche Entschlammung nicht mehr übernehmen und bezahlen.

Der Zweckverband Wendebachstausee schickte Protestbriefe und der CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch intervenierte bei Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Offenbar mit Erfolg: „Das Ministerium finanziert die Entschlammung doch“, so Koch, das habe der Minister in seinem Beisein „telefonisch und unmissverständlich mit seinen Leuten geklärt“.

Zur Vorgeschichte: Weil der Staudamm von Beginn an nie richtig als Hochwasserbollwerk funktioniert hat, wollte das Land die Anlage zurückbauen und nur zwei kleinere Teiche übrig lassen. Über Jahrzehnte hatten sich See und Umland aber zu aber einem wertvollen Naturgebiet und als Erholungsareal entwickelt – gehegt und gepflegt von Zweckverband Wendebachstausee.

Es folgte eine große Protestwelle, und Sander zog einen Schlussstrich. Jetzt baut das Land den Damm zwar um, lässt den großen See aber unangetastet. Das Verfahren mit Millionen-Investitionen ist bereits angelaufen. Aber „eher zufällig“ erfuhr Verbandsgeschäftsführer Norbert Schulz im November, dass das NLWKN die vorgesehene und notwendige Entschlammung des Sees nicht mehr übernehmen wollte. Sie kostet nach nicht bestätigten Informationen rund 180 000 Euro. Ohne die Aktion aber würde der See immer flacher – zu Lasten der Lebensraumqualität.

Der Zweckverbandsvorsitzende Manfred Kuhlmann protestierte erneut und Koch wurde aktiv. Das Ergebnis bestätigte inzwischen auch die Sprecherin des Umweltministeriums. Sie versicherte auch, dass parallel zum Umbau des Dammes ein verringerter Hochwasserschutz für Niedernjesa ausgeglichen werden.

Unterdessen hat die Verbandsversammlung des Zweckverbandes ihren Vorstand neu gewählt: Kuhlmann (Gleichen)bleibt Vorsitzender, sein Vertreter ist Herbert Mecke (Friedland). Schulz (Landkreis) bleibt Geschäftsführer, sein Vertreter ist Andreas Friedrichs.

Pro Region Wendebach bangt um Wendebachstausee

Unterschriften-Übergabe: Sabine und Bernd Schmidt, Günther Diehl, Marlies Weges und Diethelm Garvelmann von der Initiative „Pro Region Wendebach“ mit Bürgermeister Andreas Friedrichs (v.l.).

Jetzt kommt auch aus der Nachbargemeinde Protest gegen mögliche Windradstandorte auf Friedländer Gebiet: Die Gleichener Bürgerinitiative „Pro Region Wendebach“ bangt um den Natur-Frieden und die Idylle am Wendebachstausee, aber auch um die Wohnqualität in Reinhausen.

Am Donnerstag hat die Initiative Friedlands Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) 456 Protestunterschriften überreicht – 420 Unterzeichner kommen aus Reinhausen.

Hintergrund ist die Windrad-Debatte in Friedland. Wie alle Gemeinden im Kreis Göttingen will sie eigentlich ausgesuchte Flächen als mögliche Standorte für Windmühlen ausweisen. Weil es im Rat aber keine Einigung gab, sollen zunächst alle 18 potenziellen Flächen weiter vorgehalten werden. Dazu gehören auch Äcker auf dem Wüster Berg und Reinhäuser Berg – gleich neben dem Wendebachstausee und nicht weit entfernt von Reinhausen.

Charakter des Naherholungsgebietes entwerten

Für diese Bereiche gebe es bereits Pläne für neun Windräder, so die Bürgerinitiative. Werden sie gebaut, würde der Charakter des Naherholungsgebietes rund um den Stausee dauerhaft entwertet, warnt Diethelm Garvelmann im Namen der Gruppe. Weit sichtbare und ständig drehende Windräder mit einer Höhe von 200 Metern würden die Besonderheit dieser Landschaft und den Lebensraum vieler geschützter Tiere zerstören. Die vorgesehen Abstände zu Wohnhäusern in Reinhausen seien zudem „sehr knapp bemessen“. „Wir gehen von einer realen Belästigung durch Lärm, Schlagschatten und Disco-Effekt aus“, heißt es auf der Internetseite der Initiative.

Langfristige überregionale Konzepte

Die Mitglieder haben nach eigenen Angaben nichts gegen Windenergie. Sie fordern aber „langfristige überregionale Konzepte, die so wenig Umwelt und Landschaft zerstören wie möglich“ und mehr Standorte mit „hoher rentabler Windausbeute“ nutzen. Friedrichs versicherte, dass die Bedenken in die weitere Bewertung der potenziellen Windrad-Flächen einfließen würden: „Wir berücksichtigen nachbarschaftliche Beziehungen, und der Abwägungsprozess läuft ja noch.“

Quelle: Artikel von Ulli Schubert im Göttinger Tageblatt vom 16.03.2013.

Foto: Swen Pförtner.