Weststadt

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Die Weststadt ist einer der 18 Stadtbezirke in Göttingen. Sie liegt nordwestlich der Innenstadt und wird im Osten von den Bahnanlagen begrenzt. Nach Westen und Süden geht sie nach Grone über, im Norden nach Holtensen, die Grenze entspricht den Gemeindegrenzen vor der Eingemeindung von Grone und Holtensen. Die Weststadt reicht von der Großwohnsiedlung „Holtenser Berg“ im Norden über Hagenberg und Egelsberg bis zum alten Stadtfriedhof im Süden sowie von der Bahnhofswestseite bis in das Göttinger Industriegebiet. Die Leine verläuft durch den östlichen Teil der Weststadt.

Die größtenteils erst im 20. Jahrhundert bebaute Weststadt ist von Mietwohnungen, kleineren Eigenheimen und Gewerbebetrieben geprägt. Ende 2006 lebten hier etwa 13.000 Menschen.

Geschichte

Auf dem Südwestende des Hagenbergs stand die 915 zuerst erwähnte Königspfalz Grona. Sie war in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine der wichtigsten Pfalzen in Deutschland, 1024 verstarb hier Kaiser Heinrich II.. Die Wirtschaftshöfe, die die Pfalz versorgten, lagen etwa drei Kilometer südlich und waren eine Keimzelle des Ortsteils Grone. Sie waren über den "Königsstieg" mit der Pfalz verbunden. In den folgenden Jahrhunderten verlor die Pfalz an Bedeutung. Wie auch andere Adelssitze in der Umgebung wurde sie im 14. Jahrhundert von den Bürgern der aufstrebenden Hansestadt Göttingen mehrfach befehdet und 1386 endgültig zerstört.

Der Bereich der heutigen Weststadt diente bis in das 19. Jahrhundert vorrangig als Weideland. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der bis dahin kahle Hagenberg aufgeforstet.

Nach dem Bau der Eisenbahn HannoverKassel wurde westlich des Bahnhofes ein Werkstatt errichtet, die in den folgenden Jahren zu einem Ausbesserungswerk ausgebaut wurde. Zu diesem gehörte auch die Lokhalle.

In den 1930er Jahren wurde ein Militärflughafen im jetzigen Industriegebiet angelegt, auch der Hagenberg wurde als Truppenübungsplatz Sperrgebiet. Für Offiziersfamilien und zivile Mitarbeiter wurde eine Siedlung an der Pfalz-Grona-Breite aufgebaut.

Nach dem zweiten Weltkrieg musste Göttingen eine hohe Zahl von Vertriebenen aufnehmen, die Einwohnerzahl stieg von etwa 52.000 (1937) auf 78.000 (1950). Die bisherigen Militärflächen wurden zu Bauland, bis etwa 1952 entstanden überwiegend einfache Wohnungen, darunter die Blöcke der Wohnungsgenossenschaft auf dem Hagen, die Bebauung an der Pfalz-Grona-Breite und am Egelsberg wurde verdichtet. In den neuen Stadtteilen, für deren Bau auch Mittel aus dem Marshall-Plan verwendet wurden, lebten überwiegend Vertriebene, Südniedersachsen waren in der Minderheit[3].

1968 zogen die ersten Bewohner in die Großwohnsiedlung "Holtenser Berg".

Nach der Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke 1963 verlor das Ausbesserungswerk seine Funktion. Der Bereich der Bahnhofswestseite konnte umgestaltet werden, hier entstand ein Schulzentrum (Otto-Hahn-Gymnasium, Berufsbildende Schulen, Volkshochschule). Die Lokhalle verfiel, bis man sie Mitte der 1990er Jahre zu einem Großkino und einer Veranstaltungshalle umbaute.

Projekt "Soziale Weststadt"

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Teile der Göttinger Weststadt im sogenannten Blümchenviertel sind im November 2009 in das Förderprogramm für „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf – die soziale Stadt“ aufgenommen worden. Fünf Jahre hat die Stadt darum gekämpft. In den kommenden Jahren soll die Wohnqualität hier gemeinsam mit den Bürgern verbessert werden. Dafür stehen 4,6 Millionen Euro zur Verfügung. Von Ulrich Schubert Göttingen. Alte Bausubstanz, vielfältige Kulturen, Armut und andere Faktoren haben die Lebens- und Wohnqualität des Quartiers zunehmend negativ belastet – es gilt als Problemviertel. Modernere Wohnungszuschnitte, kleine Gärten für Mieter, attraktive Spielplätze, Raum für Begegnungen – das sind einige Ideen, wie die Weststadt wieder aufgewertet werden könnte. Alleine kann die Stadt das aber nicht leisten. Darum hat sie sich seit fünf Jahren immer wieder um Aufnahme in das Bund-Länder-Programm zur sozialen Stadterneuerung beworben. „Endlich“ sei das geglückt, teilten gestern Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck und Stadtbaurat Thomas Dienberg mit. Mit einer Bürgerversammlung am 25. Januar soll die Erneuerung der Weststadt beginnen. Das Sanierungsgebiet fällt auf Druck des Landes Niedersachsen allerdings kleiner aus als zunächst geplant: Es umfasst jetzt den Bereich zwischen Asternweg, Hagenweg und Leineaue inklusive Hagenweg 20, Musa, Atelierhaus sowie den Westabschnitt des Maschmühlenweges mit Jugendzentrum und den Wohnblöcken am Knick nahe der Bahntrasse. Ausgenommen sind zwei Reihenhaus-Bereiche mitten im Blümchenviertel. Begleitende Projekte Für das Projekt stehen 4,6 Millionen Euro zur Verfügung, jeweils zu einem Drittel von Bund, Land und Stadt getragen. Dieses Geld sei allein für bauliche Investitionen vorgesehen, so Dienberg. Hinzu kämen begleitende Sozialprojekte, die aus anderen Töpfen finanziert werden. Die Leitidee: Durch viele Einzelmaßnahmen soll das Gebiet umgestaltet werden – immer in enger Abstimmung mit den Wohnungsgesellschaften, anderen Hauseigentümern und Bürgern. Das heißt auch: Investieren die Hausbesitzer über Erhaltungsarbeiten hinaus, bekommen sie Zuschüsse. Die Stadt hat das Projekt in fünf Handlungsfelder unterteilt: • Wohnen: Hier könnte die Wohnqualität durch andere Grundrisse, behindertengerechte Zugänge, neue Balkone, Mietergärten und energetische Sanierung verbessert werden.

•  Wohnumfeld und Verkehr: Freiflächen, Spielplätze und die Leineaue als Erholungsbereich sollen attraktiver werden, mehr Parkplätze und schönere Fußwege sollen die Straßenräume entlasten.

•  Wirtschaft, Arbeit: Besonders der Einzelhandel soll für eine bessere Nahversorgung gestärkt und die leerstehende Ladenzeile in der Pfalz-Grona-Breite reaktiviert werden.

•  Soziale, kulturelle, Bildungs- und Freizeit-Infrastruktur: Ein Nachbarschaftszentrum, bessere Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Beratungsangebote könnten das Miteinander fördern.

•  Bürgermitwirkung: Im gesamten Sanierungsprojekt spielt die Bürgerbeteiligung eine große Rolle. Über ein offenes Stadtteilforum, daraus gewählte Vertreter für einen Unterausschuss des Stadtrates und ein Quartiersmanagement sollen die Anwohner direkt Einfluss nehmen. Ziel des auf fünf bis sieben Jahre angelegten Projektes sei es auch, vorhandene Qualitäten „herauszuschälen“, betonte die Sozialdezernentin. Denn mit seinen Grünbereichen, seiner City-Nähe und seinem preiswerten Wohnangebot habe das Quartier auch etwas zu bieten. Mit dem Unterausschuss bekomme das zur Innenstadt gehörende Quartier zudem ein eigenes Sprachrohr Richtung Rat – ähnlich wie die Ortsräte in anderen Stadtteilen.

siehe auch

Weblinks