Grimm, Wilhelm und Jacob

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Wilhelm (l.) und Jacob Grimm

Die Brüder Grimm oder die Gebrüder Grimm, Jacob und Wilhelm Grimm, sind als Sprachwissenschaftler und Sammler von Märchen (Grimms Märchen) bekannt. Sie gelten gemeinsam mit Karl Lachmann und Georg Friedrich Benecke als „Gründungsväter“ der Deutschen Philologie bzw. Germanistik.

Kindheit und Studienzeit

Jacob Grimm (rechts) wurde am 4. Januar 1785 in Hanau geboren, sein Bruder Wilhelm am 24. Februar 1786 ebenfalls im Hessischen Hanau. Ihre Eltern Philip Wilhelm und Dorothea hatten neuen Kinder, von denen allerdings zwei als Säuglinge starben. Ihre Jugend verbrachten Wilhelm und Jacob in Steinau. 1798 besuchte Jacob die Philipps-Universität in Marburg. Sein Bruder folgte ihm ein Jahr später. Die wissbegierigen Brüder durften in der Privatbibliothek ihres Lehrers Friedrich Carl von Savigny stöbern und beschäftigten sich dort mit Schriften der Romantik und dem Minnesang. Besonderen Einfluss übten die Ansichten über die Dichtung der Völker aus von Johann Gottrfied von Herder auf die Studenten aus.

Kinder- und Hausmärchen

Auf Anregung von Achim von Arnim und Clemens Brentano begannen die Wilhelm und Jacob Grimm nach ihrem Studienabschluss 1806 Sagen und Märchen in Kassel zu sammeln, indem sie überwiegend mündlich überlieferte Stoffe verschriftlichten, sie aber auch stark überarbeiteten und sie in Ausdruck und Form glätteten. Weihnachten 1812 veröffentlichten sie den ersten Band ihrer Sammlung unter dem Titel "Kinder- und Hausmärchen". 1815 konnten sie den zweiten Band vorlegen, 1819 wurde der erste Band stark überarbeitet, um die als anstößig empfundenen erotischen Anspielungen zu beseitigen. |Deutsche Grammatik| In die Kasseler Zeit der Grimms fällt auch Jacob Grimms Arbeit an der "Deutschen Grammatik" - eine schematische Beschreibung des Aufbaus der zeitgenössischen Sprache. Im ersten Band behandelt er die Flexion, das zweite die Wortbildung. Das umfangreiche Werk bezieht sich auf sämtliche indogermanische Sprachen, ihre geschichtliche Entwicklung und Zusammenhänge. Jacob Grimm verfolgte als einer der Ersten nicht nur die Entwicklung der Sprachen, sondern auch die Gesetze des Lautwechsels bei Vokalen und Konsonanten. In Göttingen veröffentlichte er 1835 zwei weitere Bände der "Deutschen Grammatik".


Göttingen

1830 wurde Jacob ordentlicher Professor an der Georg-August-Universität Göttingen. Wilhelm arbeitete als Bibliothekar, bevor auch er 1835 zum Professor berufen wurde. 1838 begannen die Brüder ihre gemeinsame Arbeit am “Deutschen Wörterbuch“. Durch die Erforschung der deutschen Kulturgeschichte, wollten sie die damaligen deutschen Kleinstaaten vereinen. Außerdem publizierten sie politische Schriften und arbeiteten daran mit, die Menschrechte in Deutschland zu formulieren. 1837 wurden sie, als zwei Mitglieder der Göttinger Sieben des Landes verwiesen, weil sie gegen die Aufhebung des Grundgesetzes protestierten. Doch sie fanden Zuflucht in Leipzig, wo ein Komitee von Bürgern, den entlassenen Professoren die Gehälter aus Spendengeldern vorerst weiter bezahlten. In Leipzig konkretisierte sich auch der Plan, das "Deutsche Wörterbuch" als Sammlung sämtlicher Wörter und ihrer Entstehung zu gestalten. Für dieses Großprojekt mussten die Brüder allerdings eigene Pläne und laufende Arbeiten zurück stellen.

Berlin

Unmittelbar nach seiner Amtübernahme holte der preußische König Wilhelm Friedrich die Brüder nach Berlin, wo sie über zwanzig Jahre, bis zu ihrem Tod lebten und forschten. Wilhelm starb 1859, Jacob 1863.

Märchenbruder und mutiger Göttinger Professor

Ein Leben lang eng verbunden: die Brüder Jakob (links) und Wilhelm Grimm.

Er hat fast sein gesamtes Leben in engster häuslicher Verbindung mit seinem – um ein Jahr älteren – Bruder Jacob verbracht und stand doch, zumindest für die Mitwelt, stets ein bisschen in dessen Schatten: Wilhelm Grimm, geboren am 24. Februar 1786 in Hanau, gestorben heute vor 150 Jahren am 16. Dezember 1859 in Berlin – Jurist, Altgermanist, Volkskundler und nicht zuletzt Märchenerzähler. Zwar sind Jacob und Wilhelm, die „Brüder Grimm“, das fraglos berühmteste Geschwisterpaar der deutschen Kulturgeschichte, doch zu ihren Lebzeiten hatte meist Jacob, der Verfasser von wissenschaftlichen Standardwerken wie der „Deutschen Grammatik“ oder der „Deutschen Mythologie“, die Nase vorn. Fragt man allerdings nach dem, was heute den größten Ruhm der Grimms ausmacht, müsste das Bild wohl gelinde revidiert werden. Drei ihrer Zentralwerke haben Jacob und Wilhelm Grimm als Gemeinschaftsarbeiten herausgebracht: Früh schon, 1816 und 1818, ihr zweibändiges, nach rund zehnjähriger Spurensuche entstandenes Sammelwerk „Deutsche Sagen“, in dem sie insgesamt 584 Orts- und Geschichtssagen zusammentrugen; und spät noch ihr einzigartiges monumentales „Deutsches Wörterbuch“, mit dessen Kompilation sie 1838 begonnen hatten, ohne es freilich auch nur annähernd vollenden zu können (erst 1971 brachten ihre wissenschaftlichen Urenkel das Werk zu einem gewissen Abschluss). Das legendärste Buch der Brüder Grimm aber, das ihren Namen in die ganze Welt trug, waren die „Kinder- und Hausmärchen“, gemeinhin nur „Grimms Märchen“ genannt. Märchen, die uns, vom „Froschkönig“ bis zum „Goldenen Schlüssel“, seit unserer Kindheit vertraut sind. Dies Märchenbuch nun – es trägt zwar den Namen „Brüder Grimm“ auf dem Titelblatt, ist jedoch so, wie wir’s kennen, das Werk Wilhelms. Als Brentano die Idee hatte, ein Buch mit Volksmärchen zusammenzustellen, waren die Grimms sogleich Feuer und Flamme: Eine gedruckte Sammlung echter Volksmärchen gab es damals in Deutschland noch nicht, und so ließen sich die Brüder von Kenner(inne)n aus ihrer Nachbarschaft solche „Ammen-Mären“ vorerzählen, schrieben sie auf und schickten dem Freund Clemens bald darauf ein Konvolut mit vierzig Texten. Über die erzählerische Ausgestaltung der Märchen waren die Brüder indessen recht uneins gewesen: Jacob bestand auf karger Authentizität, Wilhelm hielt mehr von sinniger Ausschmückung, und das setzte er im zweiten Band des Werkes schon mal vorsichtig um, den er praktisch allein gestalten musste, da Jacob als kurfürstlich-hessischer Sekretär längere Zeit aushäusig war – etwa auf dem Wiener Kongress. Nach seiner Rückkehr zeigte sich Jacob prompt ungehalten und überließ die Arbeit am Märchenbuch fortan komplett seinem Bruder, der das Ganze in der zweiten Auflage erst mal kräftig umkrempelte, die Fremdwörter strich, die „unsittlichen Stellen“ ausmerzte, die ausländischen Stoffe entfernte und jenen eigenen Erzählton einführte, der diese Märchen noch heute so bezaubernd macht. Bis zu seinem Tod hat Wilhelm Grimm sämtliche Auflagen des Buches allein betreut. Ihr gemeinsames Arbeitszimmer behielten die Brüder gleichwohl bei, auch als sich Wilhelm mit fast 40 Jahren noch zur Heirat entschloss – aparterweise mit einer der eifrigsten Beiträgerinnen der Märchensammlung: Dortchen Wild, der Apothekerstochter aus Kassel, die dann alle die schönen Reime („der Wind, der Wind, das himmlische Kind“) dichtete und ihren beiden Stubengelehrten auch sonst mit lebenspraktischem Rat versorgte. Im Jahr 1837, die Brüder Grimm waren nun Germanistikprofessoren in Göttingen, konnte Wilhelm bereits die dritte, beträchtlich erweiterte und, wie stets, erzählerisch gründlich überarbeitete Auflage des Märchenbuchs vorlegen.Doch dann kam’s knüppeldick: Die Grimms gehörten zu den „Göttinger Sieben“, jenen Professoren, die mutig gegen den Verfassungsbruch des neuen hannoverschen Königs protestierten und daraufhin ihrer Ämter enthoben wurden. Jacob Grimm wurde als Rädelsführer zudem des Landes verwiesen und fand Aufnahme beim „Malerbruder“ in Kassel, Wilhelm folgte ihm loyal, doch nun mussten die Brüder als Privatgelehrte um ihre Existenz kämpfen. Da kam das – vom Verlag gut honorierte – Projekt „Deutsches Wörterbuch“ höchst gelegen, auch wenn die Grimms ahnten, auf welche Sisyphusarbeit sie sich da einließen. 1841 ging’s dann aber endgültig bergauf: Auf Fürsprache von Bettina von Arnim berief der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. die Brüder an seine Akademie der Wissenschaften. So zogen sie nach Berlin, lebten dort, hochgeachtet, als Forscher und Lehrer, und während Jacob seine Sprachtheorie entwickelte, schrieb Wilhelm am Märchenbuch fort, das zuletzt auf 200 Stücke anwuchs (genau genommen auf 201, aber der Sammler fand die Zahl 200 so schön rund). Im Herbst des Jahres 1859, erkrankte Wilhelm an einer Furunkulose. Er bekam hohes Fieber, erlitt eine Atemlähmung und starb. Dem erschütterten Jacob blieb nur, die Gedenkrede auf den Bruder zu halten, die mit den Worten schloss: „So oft ich nunmehr das Märchenbuch zur Hand nehme, rührt und bewegt es mich, denn auf allen Blättern steht vor mir sein Bild, und ich erkenne seine waltende Spur.“