William Schöpp

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William Schöpp - Selbstportrait 1968
Kunstmaler William Schöpp, 1898 - 1975


Er wurde im Rheinland geboren, in Wuppertal, am 06. Oktober 1898. Nach dem Abitur folgte das erste Studium der Kunstwissenschaft in

Elberfeld und weitere Studien auf der Akademie in Düsseldorf, München, in der Schweiz und in Italien, Florenz, bis 1924. Im gleichen Jahr folgte die Hochzeit mit dem Aufbruch nach Berlin und Gründung des ersten Ateliers.

Die Zeichnung, Kohlearbeiten, war zunächst seine überzeugende Stärke, bis er im Berliner Atelier mit dem Malen begann. Das erste Ölportrait entstand, ein Selbstbildnis, ( eines der Letzten im Text abgebildet ) ein gelungener Wurf. Der entscheidende Schritt war getan. Es folgte ein Portrait auf das andere. Der Maler, William Schöpp, erkannte sich selbst als den Maler der menschlichen Physiognomie. Er wurde zum Deuter, zum Gestalter des Gesichtes der Menschen, die zu ihm kamen, um sich portraitieren zu lassen. Keine gefrorenen Gesichtsausdrücke, es wurde der Mensch, die Lebendigkeit, das Innere deutlich. Das war der Durchbruch zu seinem künstlerischen Schaffen. In kurzer Zeit wurde er einer der gesuchtesten Portraitisten, fand Zugang zur politischen und künstlerischen Welt Berlins. In dieser ersten Berliner Periode entstanden bedeutende Portraits, u. a. noch heute bekannte Persönlichkeiten, im Jahre 1925, wie der Komponist Leo Fall, der Reichskanzler Dr. Joseph Wirth, der Komponist Emmerich Kalman, der Hotelier Louis Adlon, die Filmschauspielerin Pola Negri, 1926 der Reichsaußenminister Dr. Gustav Stresemann und viele andere mehr. Leider sind diese Arbeiten verschollen, oder im Reichstag oder im Krieg verbrannt, möglichlerweise noch in Familienbesitz, irgendwo auf der Welt. Das eindrucksvolle Selbstbildnis mit Tochter (im Text abgebildet) ist noch heute in Familienbesitz.

Selbstportrait mit Tochter

Im Rahmen der Berliner Arbeiten erfolgte die Bekanntschaft mit Alfred Flechtheim, dem weit über Berlin hinaus bekannten Galeristen. Alfred Flechtheim stellte eine erste Ausstellung seiner Bilder in Berlin zusammen. Es war ein erster, großer Erfolg von höchster Aktualität und Bedeutsamkeit für die Zukunft. Alfred Flechtheim hatte auch eine bekannte Galerie in Meran. Dorthin zog er den Maler, William Schöpp, mit Familie, das war 1930. Ein neues Atelier wurde in Meran aufgebaut, erste Lehrtätigkeit begann, in der Galerie von Alfred Flechtheim, dem großen Kunstmäzen, erfolgten wieder Ausstellungen, die den Maler William Schöpp auch in Italien zur Bedeutung und Anerkennung verhalfen. Viele Portraits entstanden hier und erste Blumen-Kompositionen. 1933 ging Südtirol an Italien. William Schöpp wollte mit seiner Familie nicht Italiener werden und ging wieder zurück nach Berlin, wo ein neues Atelier entstand. Er konnte wieder in Berlin mit ungebrochener Schaffenskraft arbeiten.1943 wurden Bilder von William Schöpp auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München ausgewählt und gezeigt, was damals eine besondere Auszeichnung darstellte. Hier zeigte sich seine lebhafte Freude an malerischen, leuchtenden Blumenstücken, die einen Kritiker seiner Zeit dazu bewogen zu schreiben „auch seine Blumenbilder sind Portraits“. Leider ist vieles aus dieser Zeit im Krieg zerstört worden, so auch sein Atelier.

Er suchte 1944 einen neuen Weg, weit entfernt von der zerstörten Stadt Berlin und Umgebung, einen ruhenden Pol. Seine Bekanntheit, sein guter Ruf gingen ihm voraus. Er konnte in der Heide, in Süd-Winsen, Nähe Celle, ein neues Domizil finden, neue Arbeiten entstanden und vor allen Dingen eine lebhafte, viel besuchte Lehrtätigkeit begann.

In der Nachkriegszeit wurden auch zahlreiche Arbeiten am Bau an ihn heran getragen, die er künstlerisch, mit großer Anerkennung, lösen konnte. Wandgemälde, Plastiken, Keramiken und Reliefs. Der Künstler wurde auch mit diesen Arbeiten weit über die Grenzen bekannt. Doch das war nicht seine Erfüllung. Er wollte wieder zurück zum Portrait und fand schließlich schrittweise den Weg nach Göttingen, durch persönliche Verbindungen für einige Jahre ein neues Atelier in der Grefenburg bei Adelebsen. Das war in der Zeit von 1963 bis 1968 eine “malerische“, doch unbequeme Residenz.

Von einem Göttinger Freund erhielt er schließlich den Hinweis zu einem neuen, wundervollen Atelier in der Altstadt von Göttingen, Kurze Straße 2. Hier fand er eine neue Heimat, ein Zentrum, ein Treffpunkt Gleichgesinnter. Große, bedeutende, erfolgreiche Ausstellungen seiner Bilder in Göttingen führten zu zahlreichen Aufträgen. Besonders hervorzuheben ist hier der städtische Auftrag alle lebenden Ehrenbürger der Stadt, zum Teil sogar Nobelpreisträger, zu malen. ( Diese Bilder folgen hier in der Reihenfolge wie sie im Rathaussaal zur bleibenden Erinnerung einen ehrenvollen Platz erhielten, 1966 Max Born, 1966 Otto Hahn, 1969 Richard Courant, 1971 Meyerhoff, 1974 Konrad Ziegler und Else Wagner. Die Jahreszahlen weisen auf die Jahre hin, in denen die Bilder entstanden.) Mit Prof. Dr. Otto Hahn hat ihn sogar eine Freundschaft verbunden, die zu einem weiteren Portrait führte.

Rittersporn

„Sie haben das künstlerische Leben dieser Stadt bereichert“ waren die schlichten Worte des Oberbürgermeisters von Göttingen bei der Eröffnung einer der ersten Ausstellungen seiner Bilder, -dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Individualität eines Antlitzes, den Charakter eines Menschen zu erfassen, das war seine große, unvergessene Stärke im Portrait, das Wesentliche, die Stimmung und Kraft seiner Bilder lag in der Farbe, dem kräftigen Pinselstrich und der Komposition, all das wird in seinen Bildern weiterleben.

William Schöpp starb nach schwerer Krankheit am 23. Juni 1975. Sein Urnengrab befindet sich auf dem Großen Göttinger Stadtfriedhof.

Weitere Bilder befinden sich im Familienbesitz und können auf der Internetseite der Familie betrachtet werden