Wolfgang Paul

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Wolfgang Paul
Mathematisches Institut
Institut für theoretische Physik

Wolfgang Paul: dt. Physiker, Habilitation 1944 an der Georg-August-Universität, 1944-1952 Professor an der Georg-August-Universität, Unterzeichner des Manifests der Göttinger Achtzehn, Nobelpreis für Physik (1989).

Wolfgang Paul wird am 10. August 1913 in Lorenzkirchen bei Riesa in Sachsen geboren. Das Gymnasium schließt er in München ab. Hier absolviert er anschließend auch eine Ausbildung zum Feinmechaniker. 1932 beginnt er an der Technischen Hochschule München ein Studium der Physik und Ingenieurswissenschaften.

1934 geht er zum Studieren nach Berlin an die Technische Hochschule, wo er 1937 sein Diplom macht. Zwei Jahre promoviert er hier. 1940 tritt Paul der Arbeitsgruppe um Hans Kopfermann in Kiel bei, die zwei Jahre später an die Georg-August-Universität Göttingen umzieht.

Bald wird Paul Oberassistent am II. Physikalischen Institut der Universität und beginnt seine Habilitationsschrift. 1944 habilitiert er sich und wird Privatdozent für Atom- und Strahlungsphysik an der Georgia Augusta, 1955 schließlich Außerplanmäßiger Professor für diesen Bereich.

In dieser Zeit beginnt er, sich eingehend mit den Fokussierungseigenschaften elektrischer und magnetischer Multipolfelder für elektrisch geladene und neutrale Teilchen zu beschäftigen. Zusammen mit seinem Diplomanden Helmut Friedburg nutzt er als erster im Jahr 1951 ein statisches magnetisches Sechspolfeld zur Fokussierung neutraler Kaliumatome. Es folgt eine Reihe von Arbeiten, die elektrostatische Multipolfelder zur Fokussierung polarer Moleküle nutzen. 1952 geht Paul als Professor der experimentellen Physik an die Universität nach Bonn und wird gleichzeitig Direktor des dortigen Physikalischen Instituts.

Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird hier ein 500 MeV Elektronensynchroton (Teilchenbeschleuniger) mit starker Fokussierung gebaut. Ein wesentlich größeres folgt Mitte der sechziger Jahre. In den Achtzigern wird eine noch größere Anlage, ELSA, unmittelbar unter den Gebäuden des Physikalischen Instituts gebaut. Häufig wird Paul in dieser Zeit als Berater der Bundesregierung herangezogen. Paul ist außerdem einer der Gründerväter des Deutschen Elektronensynchrotons (DESY) im Hamburg, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er von 1970 bis 1973 ist.

Die Beschäftigung mit elektrischen und magnetischen Multipolfeldern inspiriert Paul und Helmut Steinwedel im Jahr 1953 zur Erfindung des nach Paul benannten Massenfilters, welcher nur ein quasistationäres elektrisches Wechselfeld benutzt, der ohne Magnetfeld auskommt. Dieser Paulsche Massenfilter wird für viele Experimente angewendet, so in der Restgasanalyse, beim Studium molekularer Prozesse, bei der Diagnostik von Festkörperoberflächen und bei Weltraumexperimenten.

Paul, der vor allem über Atomphysik und Strahlenphysik lehrt, gehört zu den 18 deutschen Kernphysikern, die im April 1957 vor den Gefahren der Atomwaffen warnen. Er ist einer der Unterzeichner der so genannten Göttinger Erklärung.

Im Jahr 1959 realisiert Paul gemeinsam mit Erhardt Fischer die „Paulsche Ionenfalle“, wofür der Physiker 1989 auch den Nobelpreis erhält. Dieses elektrische Vierpolfeld zum Einschluss weniger Ionen oder Elektronen ermöglicht es, die Elementarteilchen lange genug zu beobachten, um deren Eigenschaften mit einer bis dahin unerreichten Genauigkeit zu bestimmen. Jetzt können – weitgehend unbeeinflusst von der Gegenwart benachbarter Atome – Lebensdauer und Gewicht mit großer Präzision ermittelt werden.

1964 wird Paul Direktor der Abteilung für Nuklear-Physik am Cern, der Organisation Européenne pour la Recherche Nucléaire, der europäischen Organisation für Kernforschung in Genf. 1970 geht er als Dozent an die Harvard Universität in den USA, anschließend ans Fermi-Institut der Universität Chicago/USA und an der Universität Tokyo. Von 1979 an ist Paul zehn Jahre lang Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die die internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern in der ganzen Welt fördert.

1981 wird Paul emeritiert. 1982 wird Paul Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Mit dem Ausscheiden aus dem Professorenstand ist für Paul die wissenschaftliche Arbeit nicht beendet. In den achtziger Jahren entwickelt er gemeinsam mit seinen Söhnen und zwei weiteren wissenschaftlichen Mitarbeitern einen supraleitenden Speicher für Neutronen, die so genannte Neutronenflasche Nestor, die am Hochflussreaktor des Instituts Laue-Langevin in Grenoble eingesetzt wird. Eines der Ziele dieses Experiments ist, die Lebensdauer des freien Neutrons zu bestimmen.

Am 6. Dezember 1993 stirbt Wolfgang Paul in Bonn.