Wollbrandshausen

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Wollbrandshäuser Wappen

Wollbrandshausen ist ein Ort in der Samtgemeinde Gieboldehausen im Eichsfeld, Südniedersachsen.

Aktuell

Geschichte

Das Eichsfelddorf Wollbrandshausen ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Gieboldehausen. Der etwa 2 Kilometer nördlich des Seeburger Sees gelegene Ort wird erstmals 1263 urkundlich erwähnt. Das landschaftliche Bild des Ortes bestimmen der Höherberg im Norden und der Brückenberg, der sanft zum Ellerbach abfällt im Süden. Angebunden ist Wollbrandshausen durch die B 27 an Göttingen und Gieboldehausen. Dieser ist durch einen Abzweig in Höhe Krebeck und Bodensee zu erreichen. In der Hinterdorfstrasse muss rechts in die Strasse „Am Höherberg“ eingebogen werden. Hier beginnt der Freikreuzweg, der etwa nach 2 Kilometern auf dem Höherberg vor der Kapelle endet. Im Krebecker Wald entspringend, fließt der Ellerbach an Wollbrandshausen vorbei und mündet südlich des Westerberges bei Gieboldehausen in die Hahle. Der Ursprung Wollbrandshausens dürfte um die Kirche St. Georg zu suchen sein. Der Schutzpatron, der auch das Wappen der Gemeinde ziert, wird alljährlich am 23. April gefeiert. Heute bildet die stark gekrümmt den Ort durchziehende Hauptstrasse das Rückrat der Gemeinde. Den Norden des historisch gewachsenen Ortskerns bildet das zusammenhängende Neubaugebiet, in der Siedlung und über den Höfen.

Der Höherberg

Der etwa 1,8 km nördlich von Wollbrandshausen gelegene Höherberg mit 242 Metern zwar Nicht der höchste Berg im Untereichssfeld, aber seine freie Lage mit Sicht nach allen Seiten macht ihn zu einem der schönsten Aussichtspunkte der ganzen Region. Wendet man sich nach Norden entdeckt man in 400 Metern Entfernung den Hellenberg. Nordöstlich erblickt man die Berge des Harzes, und bei guten Sichtverhältnissen ist sogar der Brocken sichtbar. Im Osten, mit dem Rotenberg im Hintergrund, breitet sich der Marktflecken Gieboldehausen mit seinen ausgedehnten Neubaugebieten aus. Südöstlich sieht man das Ohmgebirge, im Süden dem Berg vorgelagert Wollbrandshausen und etwas weiter dahinter der Seeburger See, rechts davon die Göttinger Berge. Am westlichen Fuße des Höherberges liegt das Dorf Bodensee, im Hintergrund der Hühnstollen, ein langgestreckter Berg mit den Relikten einer vormittelalterlichen Fluchtburg. Von den Dörfern Bilshausen, Gieboldehausen, Wollbrandshausen und Bodensee aus führen Strassen auf den Höherberg, die beiden Strassen von Wollbrandshausen und Bodensee hin zur Kapelle werden von Kreuzwegstationen begleitet.

Die Vierzehnheiligenkapelle

Die Entstehung eines Wallfahrtsortes ist in der Regel an eine Legende geknüpft, die häufig davon erzählt, dass die Gottesmutter oder ein Heiliger einem Menschen erschienen ist oder dass jemand ein in einem Busch oder an einem Baum hängendes Reliquienbehältnis gefunden hat. Auch die Errettung aus höchster Not durch göttliche Hilfe und ein daran geknüpftes Gelöbnis zur Errichtung einer Kirche oder Kapelle bildet oft die Gründungsgeschichte eines Wallfahrtsortes. Dementsprechend wird auch zur Entstehung der Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg eine solche „moderne“ Gründungslegende erzählt, wonach die Kapelle auf ein Gelöbnis des Pfarrers August Vocke (Pfarrer in Wollbrandshausen 1846 – 1865) zurückgeht, das an die Bewahrung vor der 1850 grasierenden Cholera geknüpft war. Der Gründungsbericht August Vockes von 1855 stellt diese Geschichte anders dar, enthält aber auch den Bericht von einem kleinen Wunder. Zugleich gibt er einen Einblick in die Volksfrömmigkeit auf dem Untereichsfeld um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die zuverlässige Auskunft über die Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg gibt der Bericht des Wollbrandshäuser Pfarrers August Vocke vom 07. August 1855 an den Hildesheimer Bischof Eduard Jacob Wedekin. Hier nur ein kleiner Auszug. Den ganzen Text, ungekürzt, können Sie in der Chronik „Die Wallfahrtskapelle auf dem Höherberg 1856 – 2006“ nachlesen. Pfarrer Vocke hegte schon seit Jahren den Wunsch zu Ehren der vierzehn heiligen Nothelfer und der Jungfrau Maria eine Kapelle zu errichten. Dieser Wunsch wurde noch lebhafter als im Jahre 1850 die Cholera hier im Eichsfeld wütete. Ihm fehlten aber noch die finanziellen Mittel um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. So kam es das eines Tages die sechzehnjährige Tochter des Ackermann Michael Nordmann aus Wollbrandshausen an Hirnhautentzündung erkrankte. Sie lag schon fünf bis sechs Tage krank im Bett. Sie war fast bewusstlos, hörte und sah auch noch kaum etwas. Die Ärzte Dr. Stiepel aus Lindau und Dr. Ripping aus Gieboldehausen hatten die Hoffnung mit den Worten „hier kann nur noch der liebe Gott helfen“ aufgegeben. Sodann knieten die Mutter und die Tochter am Bett der Kranken nieder und gelobten dem Herrn, wenn er Ihr Kind gesund wird werde sie der Kirche 150 Reichstaler zum Bau der beabsichtigten Kapelle geben. Daraufhin verlangte die Kranke Speise und Trank und wurde innerhalb kürzester Zeit wieder gesund. So gab dann die Frau die 150 Reichstaler, ohne die der Bau der Kapelle nie zustande gekommen wäre. Die ausführliche Darstellung August Vockes zur Vorgeschichte der Wallfahrtskapelle widerlegt eindeutig die oft geäußerte Meinung, der Bau sei auf ein von Vocke abgelegtes Gelübde zurückzuführen, wenn ihn die Cholera verschone, wolle er auf dem Höherberg eine Kapelle bauen. Die feierliche Weihe der Kapelle auf dem Höherberg nahm der Hildesheimer Bischof Jacob Wedekin am 6. Juli 1856 vor. Dokumentiert wurde die Weihe in einer am selben Tag aufgesetzten Urkunde.

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