Zeugen Jehovas

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Der schlichte Königreichssaal der Zeugen Jehovas in Göttingen strahlt eine nüchterne Atmosphäre aus. Nüchtern und streng ist auch der Moralkodex der Gemeinschaft: Zu den "Handlungsweisen, die Gott hasst", zählen vorehelicher Geschlechtsverkehr, Homosexualität, Lügen, Glücksspiel, Diebstahl. Wenn ein Kind weniger als neun Monate nach der Eheschließung geboren würde, wären die Beteiligten vorübergehend von Sonderrechten ausgeschlossen - der Mann etwa könnte kein Ältester werden, sagt Prediger Gerhardt König. König reist seit fast 30 Jahren als Prediger durch Deutschland und war zuletzt im Großraum Göttingen-Kassel unterwegs.

Taufen, bei denen der gesamte Körper untergetaucht wird, erfolgen gewöhnlich bei Kongressen als Sammeltaufen. Bei einem Kongress der Zeugen Jehovas im Juli im Niedersachsenstadion sollen nach Angaben der Gemeinschaft 63 neue Mitglieder getauft worden sein. Der mit 83 Jahren älteste Täufling stammt laut einer Pressemitteilung aus Göttingen.

Jehovas Zeugen lehnen es ab, Weihnachten, Ostern oder Geburtstage zu feiern. Da Blut heilig sei, lehnen sie auch Bluttransfusionen ab: "Das bedeutet, dass wir weder das Blut von anderen Personen in irgendeiner Form in unseren Körper aufnehmen dürfen noch Eigenblut, das aufbewahrt wurde", heißt es auf der Internetseite der Wachtturm-Gesellschaft.

In der Region Göttingen gibt es in der Nord- und Südgemeinde nach Angaben der Zeugen Jehovas etwa 140 Verkündiger, die aktiv von Haus zu Haus gehen. Laut König sind in der Region im vergangenen Jahrhundert zunächst einige Grüppchen entstanden, die dann um 1950 herum in eine Gemeinde zusammengeführt worden seien. Diese Gemeinde sei dann gewachsen und in die drei Gemeinden Göttingen-Nord, Göttingen-Süd und Witzenhausen geteilt worden. In Göttingen treffen sich Jehovas Zeugen im Königreichssaal im Königsstieg 6.

Mit anderen Religionen haben Jehovas Zeugen nicht viel im Sinn. "Personen, die einer falschen Religion angehören, mögen ernsthaft glauben, dass sie den wahren Gott anbeten. Aber in Wirklichkeit dienen sie Satan", heißt es auf der Internet-Seite der Wachtturm-Gesellschaft. Und an einer anderen Stelle: "Die Christenheit hat sich seit dem Entstehen ihrer Religion im vierten Jahrhundert als ein Feind Gottes und der Bibel erwiesen."

Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. In einem Handbuch der evangelisch-lutherischen Kirche werden die Zeugen Jehovas zum Typ der Endzeit-Sekten gezählt, da das Lehrsystem und Alltagsverhalten der Mitglieder auf das für die nahe Zukunft erwartete Ende der Geschichte und der Welt - Harmagedon - ausgerichtet sei. Dieses Denken präge das Selbstverständnis der Zeugen Jehovas als exklusiver Heilsgemeinde. Die der "theokratischen Organisation" Zugehörigen würden Harmagedon überleben, während andere Menschen und Strukturen dem Untergang geweiht seien: "Ein solcher Ansatz, der aus der krassen Missdeutung, um nicht zu sagen dem Missbrauch biblischer Texte entstanden ist, schließt konsequenterweise ökumenische Beziehungen von beiden Seiten aus."

Nach dem Harmagedon, in dem, so glauben es die Zeugen Jehovas, die Bösen vernichtet werden, wird die Erde für die Überlebenden zum Paradies umgestaltet, aus dem Tod und Krankheit verschwinden. Eine "kleine Herde" von 144000 treuen Männer und Frauen habe Jehova zudem für ein Leben im Himmel und als Mitregenten mit Jesus ausgewählt. Endzeitberechnungen, wie es sie in den früheren Jahren der Zeugen Jehovas gab, werden mittlerweile aber nicht mehr angestellt. Den Tag und die Stunde wisse niemand, so der regionale Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit, Wilfried Voigtländer: "Wir müssen ausharren."




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