Zwangsarbeit in Göttingen

Aus Wiki Göttingen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Im Gebiet des heutigen Landkreises Göttingen wurden zwischen den Jahren 1939 und 1945 schätzungsweise mehr als 11.200 zivile ZwangsarbeiterInnen und mehr als 3.500 Kriegsgefangene zur Arbeit gezwungen; in den Gebieten der heutigen Landkreise Göttingen und Northeim zusammen sogar zwischen 50.000 und 60.000 Menschen. Die genaue Zahl lässt sich aufgrund von vernichteten und fehlerhaften Akten nicht mehr ermitteln. Menschen aller Altersklassen und Geschlechter wurden hierbei zu Arbeit gezwungen (vgl. Geschichtswerkstatt Göttingen 2011: 8). Zuständig für die Vermittlung war das Göttinger Arbeitsamt, bei welchem ein Antrag auf ZwangsarbeiterInnen gestellt werden konnte. Dieses entschied über Zuweisung, Ablehnung und Versetzung der Arbeitskräfte. In der Industrie mussten sie vor allem jene Plätze einnehmen, welche durch die fehlenden männlichen Arbeitskräfte, welche großteils vom Militär eingezogen wurden, unbesetzt waren. Diese Menschen aus mindestens 16 Nationen wurden als Kriegsbeute gesehen und als Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie wurden je nach Herkunft nach rassistischen Kriterien eingestuft. Westeuropäer litten dadurch im Regelfall weniger als Menschen aus der damaligen Sowjetunion. Trotz der Arbeitszeit von mindestens 8 Stunden am Tag, 6 bis 7 Tage die Woche, mussten viele betteln gehen. Die sogenannten Ostarbeiter, welche oft unter Bewachung zum Arbeitsplatz hin- und ebenfalls wieder zurückgebracht wurden, hatten hierbei größere Probleme. Sie nutzten hierfür ihre kurz gewährten Gelegenheiten des Ausgangs, um Nahrungsmittel wie Brot oder Kartoffeln zu erbetteln (vgl. Geschichtswerkstatt Göttingen 2011: 40). Mädchen und Frauen, welche nach der rassistischen Ideologie ‚arisch‘ aussahen, wurden oft aus ihren Familien im Kriegsgebiet gerissen und für die Arbeit für die Familien an der ‚Heimatfront‘ eingeteilt. Trotz eines Umgangsverbotes lebten sie jedoch oft auf engstem Raum mit den Familien (vgl. Geschichtswerkstatt Göttingen 2011: 44-47).

Zwangsarbeit in Göttingen.jpg

Quellen und weiterführende Literatur:

  • Geschichtswerkstatt Göttingen e.V. 2011: Von der Konditorei zur Messtechnik: NS-Zwangsarbeit in Göttingen. Göttingen: AktivDruckVerlag.
  • Tollmien, Cordula 2000: Zwangsarbeiter in Ämtern, Dienststellen und Betrieben der Göttinger Stadtverwaltung während des Zweiten Weltkrieges. Unter: http://www.zwangsarbeit-in-goettingen.de/bibliothek/tollmienzwangkommune2000.pdf, letzter Zugriff. 05.12.2019.
  • Tollmien, Cordula 2007: „In Göttingen befinden sich etwa 6000 ausländische Arbeiter“ – NS Zwangsarbeiter in der Stadt Göttingen. In: Zimmermann, Volker (Hrsg.): „Leiden verwehrt Vergessen“. Zwangsarbeiter in Göttingen und ihre medizinische Versorgung in den Universitätskliniken. Göttingen: Wallstein.